Neue Barocktrompete mit Dreilochsystem (von Friedemann Immer)

  Juli 2011

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“Warum eine neue Barocktrompete mit dem Dreilochsystem? Die bisherige Trompete ist ja wirklich ein „Erfolgsmodell“. Die reichen Auswahl-möglichkeiten bei den Schallstückformen, Anstößen, Mundrohren und Bögen, die in verschiedenen Qualitäten (von Standard bis Historik) erhältlich sind, ergeben vielfältige Kombinationsmöglichkeiten. Hunderte von Trompetern in aller Welt spielen diese Barocktrompeten.

Und doch hat sich herausgestellt, dass noch Verbesserungspotenzial vorhanden war, besonders in der Intonation und Ansprache bei d´´ und g´. Speziell das d´´ ist relativ Kieks-gefährdet und bereitet vielen Spielern Probleme.

Deshalb haben wir – das sind Rainer Egger, seine Mitarbeiter und ich – uns überlegt, wie man dieses Thema angehen und ggf. beheben kann. Ich spiele nun seit über 30 Jahren Barocktrompete mit dem Dreiloch-System und habe so durch zahllose Konzerte und Aufnahmen, aber auch durch meinen Werdegang – u.a. Studium der Physik und Mathematik – genug Erfahrung, die ich in die Entwicklung eines neuen Instrumentes mit einbringen konnte.

Uns ist aufgefallen, dass die Barocktrompete ohne Löcher, auch „Natur-trompete“ genannt, die o. g. Intonations- bzw. Anspracheschwächen nicht hat. Das brachte uns auf die Idee, die Form des Schallstückes, den Über-gang zum Bogen und den Bogen selbst zu ändern. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist so überzeugend, dass alle Trompeter, die dieses neue Instrument angespielt haben, sofort von ihrer Qualität überzeugt waren und es als eine deutliche Verbesserung sehen. Die erwähnte Problematik einzelner Töne ist damit deutlich minimiert, teilweise sogar ganz behoben!

Längerfristig planen wir, auch ein Renaissance-Schallstück nach Hainlein zu entwickeln, um auch für die frühe Musik ein verbessertes, adäquates Instrument zur Verfügung haben. Ich spiele z. Zt. einen Prototyp dieses Instrumentes und benutze es mit Erfolg für die Musik des 17. Jahrhunderts, die Musik von Fantini bis Biber und Vejvanovsky.

Dazu ist es mit diesem neuen Modell möglich, statt des Bogens mit drei Löchern einen langen Bogen mit nur einer Biegung und ein längeres Mundrohr zu benutzen – man hat somit eine Barocktrompete ohne Löcher (Naturtrompete) oder auf Wunsch mit einem Loch (F-Loch) – eine sehr kostengünstige „Einstiegsmöglichkeit“ zum „lochlosen Spiel“ auf der Barocktrompete.

Auch wenn es in der letzten Zeit neue Quellen, Überlegungen und Untersuchungen zur Verwendung von Grifflöchern oder Überblaslöchern an Barocktrompeten im 18. Jahrhundert gibt, kann man doch davon ausgehen, dass die Barocktrompete normalerweise bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ohne diese Grifflöcher gespielt wurde.

Meiner Meinung nach wird der Klang der Barocktrompete aber hauptsächlich durch Schallstückform, Mensur und vor allem die Form des Mundstückes geprägt; die Frage, ob Grifflöcher – eins, drei oder vier – im Instrument angebracht sind, hat nicht den entscheidenden Einfluss auf den Klang.

Dieses neue Instrument bietet einen guten Kompromiss um sowohl mit als auch ohne Löcher spielen zu können. Ich schätze es sehr, für die 3-Loch-Trompete zusätzlich eine gute Ausrüstung zu haben, die uns Trompetern ermöglicht, auch das lochlose Spielen zu üben und zu praktizieren – was m. E. unbedingt notwendig ist."

 

Friedemann Immer,  im Juli 2011 

Professor für Barocktrompete an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und am Conservatorium van Amsterdam. 

 flyer 3loch_small   pdf-Datei des Flyer als Download.

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